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    Mini Cooper

    2. Februar 2012

    Jaja, ich weiß: Das aktuelle Kältehoch heißt schon gar nicht mehr Cooper. Es wurde von Meteorologen nach meinem coolen Kollegen getauft und heißt jetzt “Dieter”. Aber das würde keine so schöne Überschrift ergeben.

    Überhaupt, es geht jetzt ja auch nicht um die Namen von Hochdruckgebieten, sondern um den Umgang des moderen Menschen mit der Kälte. Genauer gesagt, um den des modernen jungen Fräuleins mit derselben. Die vollständige Verhüllung weiblicher Wesen sollte man meiner Ansicht nach nicht einmal aus religiösen Gründen vorschreiben. Aber bei Temperaturen von 15 Grad Minus und weniger ist eine nahtlose Verpackung des Leibes doch einfach aus praktische Gründen angezeigt, oder?

    Denkste. Von dem, was mir dieser Tage bei klirrender Kälte so über den Weg läuft, bekomme ich schon vom bloßen (feines Wortspiel) Zusehen Erfrierungen. Da trägt man Miniröcke und dünne Schühchen, und weil man in einem Thermokaftan so dick aussehen würde, geht man eben ohne.

    Schuld daran ist sicher die Tatsache, dass es in Musikvideos immer Sommer ist (“Last Christmas” war eine löbliche Ausnahme, auch wenn man von den Frisuren Augenkrebs bekommt). Und weil einem der Star keine warmen Klmaotten vormacht, bleibt jahreszeitlich passende Kleidung tabu. Tss tss tss.

    Wetterphänomene werden bekanntlich in alphabetischer Reihenfolge benamst, darum nannte man das dritte ordentliche Wettergebiet des Jahres “Cooper” mit “c”. Ich wäre für “Chronische Blasenentzündung” gewesen. Man muss die Menschheit schließlich warnen.

      Geschrieben von Hendrik Rupp


    Marktlücke

    1. Februar 2012


    Ganz schön dick ist unsere Zeitung, wenn sie mittwochs im Briefkasten steckt. Gefüllt mit der Neuen Woche und diversen Prospekten kommen da schon einige Gramm zusammen. Heute war das gute Stück besonders schwer. Mit 470 Gramm war die Zeitung am Limit dessen, was ein Austräger noch so bewältigen kann.

    Und auch die Leser machen sich so ihre Gedanke über die reichhaltige Prospektfüllung. So rief heute ein über 80-jähriger Leser in der Redaktion an, der eigentlich schon vor zehn Jahren anrufen wollte, sich aber heute erst dazu durchgerungen hat.
    Er brauche keine Möbelprospekte. Das einzige, an dem er noch interessiert sei, seien Lebensmittel und Sargmöbel. Sargprospekte finde er allerdings nie in der Zeitung, meinte er humorvoll. Recht hat er. Ich möchte aber nicht wissen, wie viele Anrufer wir an der Strippe hätten, wenn Prospekte mit Urnen, Gräbern und Särgen auf dem Frühstückstisch landen würden.
    Aber vielleicht hat der Mann angesichts der alternden Gesellschaft tatsächlich eine Marktlücke entdeckt. In zehn Jahren wissen wir mehr.

      Geschrieben von Karin Fuchs


    Es muss nicht immer Döner sein

    29. Januar 2012

    Gestern war ich in Aalen. Das ist, man darf es erklären, eine Stadt im benachbarten Ostalbkreis. Man erreicht sie, wenn man zwischen Oberkochen und Ellwangen vom geteerten Sträßle abkommt.

    Lenken wir nicht ab. In Aalen hat es ein Rathaus, dessen Gebäude die schnittige Form des Steinheimer Rathaus-Bunkers mit der harmonischen Linienführung des Heidenheimer Verwaltungssilos zu verbinden weiß. In seinem Ratskeller jedoch gibt es ein türkisches Restaurant. Und das ist selten in der Gegend.

    Kein Mensch kann mir erklären, warum die Türken, deren Küche zu einer der besten am gesamten Mittelmeer zählt, sich hierzulande zwar eifrig gastronomisch betätigen, dabei im Regelfall aber auf Imbissniveau stehen bleiben. Döner hier, Lahmacun da, noch ein Yufka und bitte mit scharf. Warum nicht mehr? Es gab und gibt auch ein paar griechische Imbisse, aber ein Gutteil der kochenden Griechen eröffnet Restaurants. Was reitet die Türken?

    Ketzerische These: In Stuttgart, wo es nicht nur türkische Restaurants, sondern auch türkische Rechtsanwälte, Baufirmen und Konzerne gibt (die Kickers spielen im Gazi-Stadion), lästert man, dass die Ostalb eben vor allem Ostanatolier abbekommen habe. Die, heißt es in Istanbul, Izmir, Trabzon oder Ankara, hätten den Ehrgeiz nicht unbedingt in den Mittelpunkt ihrer Philosophie gestellt, man tue so viel wie nötig, aber nie so viel wie möglich. Darum bleibe ein Pkw-Händler mit Containerbüro meist ein Pkw-Händler mit Containerbüro (das zweitgrößte BMW-Autohaus in Stuttgart ist inzwischen türkisch geführt), darum bleibe es bei der Dönerbude.

    Ist das jetzt innertürkischer Chauvinismus? Auf jeden Fall ist es ein Jammer: Im Aalener Ratskeller gibt es fantastische Sachen zu Essen, sehr akzeptablen türkischen Rotwein und absolut geniale Fischplatten. Kann doch nich sein, dass man wegen sowas bis nach Aalen fahren muss, oder?

      Geschrieben von Hendrik Rupp


    Protest

    27. Januar 2012

    Kundgebungen, Demonstrationen und Protestmärsche gehören in Giengen ja mittlerweile zum kulturellen Jahresprogramm. Zynisch? Kann sein, aber wie sonst soll man noch reagieren auf die Reihe von Konkursen oder (geplanter) Schließungen namhafter Firmen der Stadt in nur zwei Jahren? Kommende Woche wird also mit einem Solidaritätsmarsch für den Erhalt der Firma AWG demonstriert.

    Wollte man in Form eines Demonstrations- oder vielmehr Trauerzugs nochmals verdeutlichen, was da passiert ist in Giengen seit 2010, müsste man viel weiter ausholen und bräuchte zunächst einmal gut eingelaufene Wanderschuhe. Denn dann müsste man irgendwo außerhalb der Stadt auf einem Stoppelfeld losmarschieren, dessen Getreidekörner einst bei der Firma Zirn landeten. Dann ginge es vorbei am Feuerwehrausrüster Ziegler, weiter zum Armaturenhersteller AWG, und schließlich dürfte auch der Steinbruch der Firma Omya in Burgberg nicht links liegen gelassen werden.

    Nach der Rückkehr nach Giengen wäre dann vielleicht tatsächlich eine Einkehr in der Vesperkirche vonnöten. Diese soll ja nicht nur körperliche, sondern auch seelische Stärkung bieten. Das kann die Stadt gebrauchen, wirklich wahr.

      Geschrieben von Dieter Reichl


    Alle Vöglein sind schon da

    26. Januar 2012

    Grundsätzlich habe ich an Vögeln nichts auszusetzen. Und wenn, dann ist mein Beruf schuld.

    Vor vielen Jahren zog ich an einem Sonntag ein Fax (jaja, soo lange ist das her) aus der Maschine, das von einem schon sehr betagten freien Mitarbeiter stammte. Der berichetete in erhabener Prosa, dass er einen Vogelschwarm erblickt habe. “Die majestätischen Vögel umrundeten mehrfach den Kirchturm!”, tat er kund: “Sie flogen dabei teils im Uhrzeigersinn und teils auch dagegen!” Donnerwetter! Schließlich habe der Schwarm sich Richtung Oasten entfernt. “Das Schauspiel ließ den Betrachter staunend zurück”, textete der ältere Herr zum Abschluss.

    Damals war ich noch ein kleiner Jungredakteur, hatte aber schon eine große Klappe. “Kollege!” brüllte ich im zuständigen Lokalressort: “Alles wegwerfen! Hier kommt ein Vierpalter!”. Und ich knallte dem Kollegen das Gefasel über die Vögel auf den Tisch. Tags drauf war das Werk tatsächlich vierspaltig im Blatt – und als der damalige Redaktionsleiter fragte, ob da wer übergeschnappt sei, sagte der Kollege, ich hätte ihm das schließlich so gesagt. Ich fragte mich damals, ob man so unterirdisch doof sein kann. Heute bin ich weiser und glaube, dass mir der Kollege verdammt gut paroli bot.

    Wie gesagt, Vogelschwärme… Kein Wunder, dass ich irgendwie nicht viel davon hielt, von einem Schwarm Bergfinken zu schreiben. Sind ja alles Nei’Gschmeckte aus Skandinavien! Freilich fand ich das nur so lange blöd, bis ich eine Fraktion des Schwarms sah, der, wir lasen es heute im Blatt, aus geschätzt bis über zwei Millionen Vögeln bestand. Das sah heftig aus, und ich merkte, wie mir der Hitchcock im Nacken saß: Wenn sich mal der Himmel vor Bergfinken verdunkelt (und das war wirklich so), dann denkt man sich schon, was so ein Vögelein in Millionenpotenz alles anstellen könnte: Wenn die einem alle gleichzeitig aufs Haus kacken, stürzt bestimmt das Dach ein!

    Saulus wurde zum Paulus, Rupp zum Vogelfan. “Na bitte, dann machen wir das eben!” sprach ich, und die Kollegin recherchierte tapfer. Leider nutze ein Gutteil der Kollegen den Vogelschwarm zu einem Stresstest: Schon mal probiert, über BERGfinken zu schreiben, wenn um einen herum lauter Kollegen “ZWERGfinken” oder “BUCHfinken” rufen – und man den Text im Redaktionssystem (wo heitere Texte mit Winkeln und Kursivschrift “bunte Geschichten” heißen) als “Bunt-Fink” anlegen muss?

    Das Ergebnis ist für Insider interessant: Viermal besteht der Schwarm im heutigen Beitrag aus Bergfinken, zweimal auch Buchfinken, und die Zwerg- und Buntfinken gingen komplett leer aus.

      Geschrieben von Hendrik Rupp


    Tau-Ziehen

    24. Januar 2012

    Natürlich kann man sich fragen, warum hier im Blog schon wieder tagelang ein neuer Beitrag fehlt. Die Antwort: Die Kollegen sind im WETTERSTRESS. Jawoll!

    Dazu muss man wissen, dass eine Tageszeitung bei aller Aktualität immer auch aus Geschichten besteht, die man ein paar Tage hin oder her schieben kann. Eine Straße soll saniert werden? Ja, aber erst im Frühjahr, das kann man auch übermorgen noch vermelden. Noch ein Foto dazu, und schon ist man fertig.

    Denkste. Denn zurzeit macht einen das meteorlogische hin und her ganz wuschig: Kaum hat man ein Motiv im Tauwetter aufgenommen, haut es mal eben Schnee drauf – und das Bild sieht völlig veraltet aus. Umgekehrt hat man eben erst das Bild einer verschneiten Kreuzung aufgenommen, und schon taut einem alles weg. Auch diese Aufnahme kann man den Hasen geben.

    Und erst die “Ungelesen”-Glossen! Inzwischen steht ein halbes Dutzend Texte auf Vorrat, deren Erscheinen komplett am Wetterbericht hängt. Kaum schrieben wir, dass die Lifte öd und leer stehen, schon schneite es am Wochenende ordentlich. Also lieber etwas über die baldigen Freuden des Wintersports. Doch gerade als das im Kasten war, schmolz der ganze Schnee wieder weg.

    Die Kollegen hetzen zurzeit also durch den Kreis, nehmen jedes Motiv mehrfach auf und ärgern sich die Platze an. Und bis ich das hier online gestellt habe, liegen wahrscheinlich 40 Zentimeter Neuschnee. Ach!

      Geschrieben von Hendrik Rupp


    Die Zeitung von übermorgen

    19. Januar 2012

      Geschrieben von Hendrik Rupp


    Rettungsschirm

    18. Januar 2012

    Die Ratingagentur Kasper&Seppl hat bekanntermaßen das Land Frankreich herabgestuft, womit es die höchste Bonitätsstufe AAA verloren hat. Das stolze Frankreich ist damit plötzlich nur noch auf einer Stufe mit unserem benachbarten Ostalbkreis: AA. Heidenheim hingegen schmückt sich weiterhin mit einer Dreifachnennung, zwar mit einer ungewöhnlichen Buchstabenkombination, HDH (Highest Derivate Holding), ist damit aber immerhin in der glücklichen Lage, für gebeutelte Nachbarn einen zumindest ideellen Rettungsschirm aufspannen zu können.

      Geschrieben von Dieter Reichl


    Wie ich es sehe (15)

    16. Januar 2012

    Sachen gibt’s! Da bedurfte es schon der Havarie eines Kreuzfahrtschiffes vor der toskanischen Küste, dass die “Affäre Wulff” in den Hintergrund rückte.  Unser Bundespräsident und seine Bettina werden froh sein, dass die Attacken (vorläufig) stark nachgelassen haben. Mir fällt in diesem Zusammenhang Lothar Späth ein, der ja einst im Giengener Rathaus arbeitete und später Ministerpräsident im Ländle wurde. Er nahm 1991 nach der “Traumschiff-Affäre” seinen Hut.

    Ohne Hut, aber mit großen Ambitionen will unser aller Hosenanzug in der Euro-Zone eine Fiskalunion durchsetzen. Wieso eigentlich? Wir hatten dies alles schon, nur damals nannte man es Maastricht-Vertrag. Dass dieser Vertrag von unseren vorbildlichen Politikern im In- und Ausland schamlos gebrochen wurde, lässt den Schluss zu, dass in der EU Verträge nicht viel wert sind. Hauptsache Glühbirnen werden verboten. Ob die Kanzlerin die Schuldenbremse in der Euro-Zone durchsetzen kann, ist fraglich, zumal die Rating-Agenturen permanent Salz in die waidwunden Schuldenstaaten streuen. Und jetzt wurde auch noch der Rettungsschirm EFSF “downgegradet” (herrlicher Begriff).  

    Upgraden will der FC Heidenheim seinen Tabellenplatz. Der Aufstieg in die 2. Bundesliga ist im Visier.  Dazu sollte auch das Trainingslager in der Türkei mit dem neuen Superstar Thurk dienen. Einen ersten Aufschluss über die neue Stärke des FCH soll am Samstag das Spiel in Chemnitz geben.  

    Zum Schluss noch ein Tipp für Schlagloch-Fans: Wer Heidenheims marodeste Straße einmal unter die Lupe nehmen möchte, der muss sich zur Dieselstraße begeben. Das ist die Straße hinter der Jet-Tankstelle und der dortigen neuen Waschstraße.

      Geschrieben von Richard Wachter


    Der Spatenstich

    16. Januar 2012

    In dr Zeitung liesch ds Lokale,

    kommt äll Stroich a Roiha Mannd,

    älle hand se kolossale

    nuie Schora en dr Hand,

    und en Schutzhelm, der kaum hebt,

    als obs dao was zu schütza gäbt.

    Standat dao, grad wie zum Schaffa,

    blos koi Schaffhäs hand se ed,

    guggat nach em Fotografa

    und ma duat, als ob ma dät.

    Aber wenns au “rechte” send,

    siehsch: dia hand zwoi linke Händ.

    Drum hat vorher ao a Bagger

    scho a weng da Boda g’lupft,

    denn die hättet en dem Acker

    sonscht blos omanander g’stupft.

    Trotzdem nennt dui Arbeit sich

    fürnehm “Erster Spatenstich”.

    Nach dem G’schend und dene Müha

    kehrt ma schanderhalber ei,

    die verbrauchte Kaloria

    müssat schließlich wieder rei.

    Und, wird au manchs Krügle leer,

    zu was hat ma en Chauffeur.

    Hans Häberle, 2012

      Geschrieben von Hendrik Rupp