15. Mai 2012

Eines muss man meinen Kollegen lassen: Sie können ganz schön kreativ sein. Fast jede Woche überraschen sie mit einem Kunstwerk, das entweder aus einem Wortspiel besteht, aus einem bearbeitetem Bild oder einem coolen Spruch zum Bild. Natürlich verlässt das meiste dieser Einfälle die Redaktionswände nicht. Doch das gemischte Doppel möchten wir unseren Lesern diesmal nicht vorenthalten. Es ist ein typisches Beispiel dafür, wie Journalisten es manchmal aushalten, mit ernsten Themen umzugehen. Sie begegnen den Dingen mit Zynismus oder Ironie. Ob das ein Abwehrmechanismus ist? Da bin ich mir bis heute noch nicht sicher. Obiges Wortspiel à la Süddeutsche Zeitung Magazin entstand jedenfalls bei der Recherche über den lebensgefährlichen Hantavirus, an dem im Landkreis Heidenheim gemessen zu anderen Orten überproportional viele Menschen erkrankt sind.
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Geschrieben von Karin Fuchs
10. Mai 2012
Nur mal so zwischendurch: Als ich kürzlich im wertvollen überregionalen Teil unserer Zeitung den Begriff “Opelaner” las, musste ich mal wieder über die teils dämlichen Begrifflichkeiten in älteren Industriekonzernen nachdenken. Irgendwann Anfang des vorigen Jahrhunderts kam der pubertierende Kapitalist auf die Idee, sich seine eigenen Arbeitnehmer ziehen zu können. Mann nannte sie wie einen Volksstamm und hoffte wahrscheinlich auf erbliche Auslese: “Opelaner” wurden so geboren, auch “Zeissianer” oder “Voithianer”.
Klingt jeweils wie eine Sorte Ureinwohner, die im Baströckchen zur Schicht einrücken. Nicht schön. Und es ist ungerecht, denn allerlei Firmen in der Gegend haben sich feige um die Blamage mit eigenen Kunstnamen geschlitzt. Die Ploucquetten gingen, ehe sie unter diesem Namen bekannt wurden, die WCMarsianer waren da schon weg. Sehr viel älter sind da die BSHunnen aus Giengen (und Dillingen), wobei die SWHethiter aus Königsbronn geradezu antik sind (und gewaltige eckige Bauten hinterließen). Lustig sind die C.F. Mayern, die trotz ihres Namens nicht für Fußball bekannt sind, aber die Sontheimer Röhmspatzen singen ja auch nicht. In Giengen wiederum kennen wir Ziegleristen (klingt radikal, gelle? Hartmannist klingt aber auch wüst), wobei uns die armen AWGriechen auch leid tun. Besser haben es die SteifFriesen.
Witzigerweise haben sich wirklich naheliegende Bezeichnungen nie durchgesetzt. Wer sagt schon, “Ich bin ein Edelmann”, wenn er bei Edelmann arbeitet? Oder gar “ich bin ein Edelfräulein”? Wer will in Giengen ein “Alligator” sein? Welcher Aalener Kicker würde sich VfRusse nennen? Nicht lachen: FCHinese klingt auch nicht besser, und Aalen steigt auf.
Über TLEskimos, TeeundHaschemiten, Gardenamibier oder den gefährlichen Stamm der Gemeindeverwaltungusker rede ich noch gar nicht, weil man diesen Blog bis zur flächendeckenden Einführung des schnellen Internets ohnehin fast nur in Heidenheim liest, wo den selten ignoranten Einwohnern die zuvor genannten Firmen und Einrichtungen ohnehin unbekannt sind.
Beste Grüße von einem HZürcher (HNPaulaner? BBelgier?)
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Geschrieben von Hendrik Rupp
7. Mai 2012
Im Frühling beginnt für mich die Zeit des Abnehmens. Das habe ich erstens nötig und zweitens klappt das im Sommer besonders gut. dann wird nämlich andauernd und überall gegrillt.
Über die vergangenen Jahrtausende hat sich der zivilisierte Ostälbler schrittweise von der Steinzeit verabschiedet. Er baute sich Häuser, darin baute er Küchen, schließlich krönte er alles mit Kühlschränken, Induktionsherden und geschmackvollen Eckbänken. Da schmeckt’s.
Und alle Jahre wieder muss man all diese kulinarischen Errungenschaften über Bord werfen. Dann trifft man sich auf Terrassen oder hinter dem Staudengarten, öffnet Säcke mit Holzkohle und versucht, wie ein Steinzeitmensch zu garen. Das Ergebnis ist Grillgut, dass irgendwo zwischen dem rohen und dem verkohlten Teil durchaus auf den Punkt ist. Das Ganze verspeist man von durchweichten Papptellern, die man auf den Knien balanciert, während einem Fleischsaft, Ketchup und die Majo vom Nudelsalat (warum immer Nudelsalat??) in den Schloß tropfen.
Über den Karottensalat (warum immer Karottensalat??) trampeln die Ameisen, die sich weiter hinten todesmutig ins Bier stürzen. Das klingt dramatischer, als es ist, denn das Bier ist warm und darum ungenießbar. Die wahrhaft leckeren Speisen können die Ameisen ohnehin nicht mehr erreichen, denn die sind einem mysteriösen Naturgesetz folgend grundsätzlich ausgegangen – meistens, ehe man mit dem Grillen überhaupt angefangen hat.
Nebenan brüllt der Grillmeister (Finger verbrannt) so laut, dass man sich vor Schreck den Schaschlik-Spieß in den Fuß rammt. Das Blut fließt und vermischt sich mit Fleischsaft, Ketchup und Majo, man brüllt ebenfalls – so lange, bis die von Nachbarn alarmierte Polizeistreife um Ruhe bittet und wenigstens den Notarzt bestellen kann. Der Grill ist inzwischen in Flammen aufgegangen und wird von der Feuerwehr gelöscht, die den Rest des warmen Biers trinkt, ohne die Myriaden selbstmörderischer Ameisen in den Mund zu kriegen.
Die wissen halt, wie man grillt.
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Geschrieben von Hendrik Rupp
4. Mai 2012
Gelegentlich kommt in die Redaktion ja Besuch. Man weiß dann zumeist, aha, es gibt Klagen. Über die Zeitung, versteht sich. Kleine Sammlung aus den letzten Tagen: Ein Leser kam vorbei und verblüffte mit der Frage, warum wir eigentlich so viele Fotos abdrucken würden. Das wolle doch kein Mensch sehen. Vorhin wiederum grummelte ein Leser, warum zu seinem Bericht denn KEIN Foto abgedruckt wurde. Ob man damit der Leserschaft gerecht werde? Und eine andere Leserin überlegt sich, das Zeitunglesen gänzlich einzustellen. Und warum? Nicht weil ihrer Meinung nach zu viele oder zu wenige Fotos abgedruckt werden, sondern weil der Verband VdK in der Zeitung nicht mehr als VdK, sondern als VDK wiedergegeben wird. Dieser Gebrauch der Großbuchstaben täte ihr in der Seele weh.
Bei allem Verständnis fürs kritische Detail… seufz.
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Geschrieben von Dieter Reichl
30. April 2012
Ein Arbeitstag ganz eigener Prägung heute. Nein, die Redaktionsleitung ist wieder da, mit ernstem Blick, Zeitung machen ist kein Ponyhof – insofern ist von dieser Seite die große Sause erstmal vorbei. Und ja, morgen ist Feiertag, da erscheint keine Zeitung, somit tritt der sonst stets lastende Produktionsdruck in den Hintergrund.
Aber das meine ich nicht: der Tag heute – die Sonne scheint, es ist Frühling – wird vergehen ohne Blog-Kommentare. Wer was auf sich hält, hat heute frei und trinkt eine Radlermaß im Müchner Biergarten, einen café latte in Riva del Garda, oder schippert in der Jolle auf dem Bodensee – da bleibt keine Zeit zum Bloggen. Der arme Rest, der warum auch immer zuhause ausharren muss, ist vollauf damit beschäftigt, seinen Fernseher von analogem auf digitalen Empfang umzurüsten. Kurzum: ruhiges Fahrwasser zu erwarten heute, das Online-Grundrauschen wird ausbleiben.
Was einen bei alldem dann allerdings doch wundert: die Lehrer arbeiten. Normalerweise stellen sich die Schulen an solchen Brückentagen doch wesentlich cleverer an… seltsam. (Tja, während ich den letzten Satz tippe, kommt mir in den Sinn, dass von einem geschätzten Mitblogger vielleicht DOCH ein Kommentar zu erwarten ist… Wie auch immer: schönen ersten Mai!
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Geschrieben von Dieter Reichl
24. April 2012
In unserem famosen Info- und Freizeitblatt HZ/HNP wurde ja am Samstag darüber berichtet, dass sich die Heidenheimer Bahnhofsuhr in Sachen Renovierung/Modernisierung in der Werkstatt befindet und in ZWEI WOCHEN wieder am Platz sein soll. HA! Wer’s glaubt wird selig. Man muss nur an die kaputte Scheibe der Eingangstür zum Bahnhof denken, wo es ja schon zwei Wochen gedauert hat, bis ein Zettel dran hing, dass die Scheibe kaputt ist, und schon schleichen sich leichte Zweifel ein… Und der Glaube an die schnelle Wiederkehr der Uhr führt vermutlich eh aufs Abstellgleis. Da ja an gewöhnlichen Werktagen rund 90 Prozent der Personen- und 89 Prozent der Güterzüge zwischen 15 Minuten und zwei Tagen verspätet sind, dachte sich die Deutsche Bahn, weg mit der Uhr, dann fällt’s nicht so auf. Und dann wird’s mit der Reparatur womöglich gar nicht sooo arg pressieren. Raffiniert!
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Geschrieben von Dieter Reichl
21. April 2012
Alscho Leude … ´icks … ausch Giengen bibsch doch immer wieder ma die dollschen Schachen zu erschälen … Dasch die … ´icks … Webemedoden immer verrügger wern, isch ja nisch neues, aber … ´icks … dasch wasch da n La´n inner Fuschängerschone nun anbieded, haut doch dem Fasch den Boden ausch … ´icks …
Aber wie scho oft wird mehr verschprochn alsch gealten… ´icks … Trotsch grün’licher Vorbreitung ham die mir die Broschende … ´icks … nisch gem schondern mur von farbin Ede… Ädi… Breischilern geschbrochn … und mich rausch’mischen.
EINE SANDALE wie da mim Kun’n umgangen wird !!
Omeingott isch mir übl … Wirsing, bischum näschn mal!
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Blödsinn, Gastblogger |
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Geschrieben von Gastblogger Tom
20. April 2012
Ungewohnter Arbeitstag heute in der Redaktion. 11.15 Uhr zweites Frühstück im Kollegenkreis im Flur. Die ansonsten knickrige Stadtredaktion ließ ein paar Fläschchen spanischen Freixenet-Sekt springen, die bekanntermaßen großzügigen Giengener Kollegen sorgten für die Lachshäppchen. Die Kulturredaktion holte den eingestaubten Ghettoblaster aus dem Schrank, und es fand sich unter einem Stapel von Post, den zu öffnen man noch nicht die rechte Motivation gefunden hatte, die Greatest Hits CD von Abba. Zu diesen freundlichen Melodien die Zeit bis in die Mittagspause hinein nett verplaudert. Erstaunlich angenehme Kollegen zum Teil. Wusste man ja gar nicht so. Die von den Volontärinnen angekündigte Bauchtanz-Einlage kam zwar nicht zustande, sie trauten sich dann doch nicht, aber immerhin klappte es nachmittags mit der Skatrunde im Konferenzraum. Leckeres Gebäck machte die Runde, selbst gemacht. Inzwischen allerdings lichten sich die Reihen. Wochenende.
Kurzum: doch gleich entspannter, so ein Arbeitstag, wenn der Redaktionsleiter abwesend ist…
(PS: So wie ein perfekter Burger aus 100 Prozent Rindfleisch besteht, so besteht dieser Eintrag aus 100 Prozent Ironie… wir schuften schwer, ganz ehrlich…)
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Geschrieben von Dieter Reichl
18. April 2012
Es ist bestimmt nicht leicht, heutzutage jung zu sein. Man muss auf 136 Kanälen gleichzeitig kommunizieren, statt einem Schulaufsatz soll man eine interaktive CD-Rom abliefern und die neuesten iPods sind derart klein, dass Mutti sie schon mal aus Versehen vom Boden der Bude wegsaugt.
Man kann also nicht erwarten, dass einem da auch noch neue Inhalte einfallen. Also ist alles retro. Die Jungs mit 13 rennen mit gestrickten Pudelmützen umher, die man in den 1970ern unter Protest von Oma erhielt, die heute aber von Zimtstern und darum cool sind. Die Musik zitiert sich selbst und hinterlegt allenfalls schnellere Beats, und am PC ballert man nach Art von Star Wars (1977) oder des II. Weltkriegs (1939-1945).
Und selbst bei den Gerüchten fällt dem Nachwuchs nix Neues ein. Monatelang wurden jetzt bei Ikea kleine Kinder verschleppt, die anschließend mit einer Niere zu wenig im Smaland abgeholt werden konnten. Ein Gerücht, das urkundlich 1969 erstmals erwähnt wurde (damals bei Selfridges in London). Parallel wurden in Mergelstetten 150 Kinder von unheimlichen Onkels im Auto verschleppt. Die tauchten nicht einmal im Smaland wieder auf, alles geschah aber derart unheimlich, dass keine einzige Familie wegen vermisster Kinder bei der Polizei vorstellig wurde. Womöglich waren die Kinder schrecklich. Oder es war reiner Facebook-Käse.
Aktuell werden übrigens wieder “k.O.-Tropfen” verteilt in Heidenheims Kneipen. Auch das eine recycelte Geschichte: Ich erinnere mich gut an die frühen 1980er, in denen man angeblich in Discos “Drogen in die Cola” bekam – von merkwürdigen Dealern, die ihre Ware nicht verkaufen, sondern verschenken wollten. Und auf allen Heidenheimer Baustellen werden täglich dreimal römische Goldschätze und/oder Blindgänger aus dem Krieg gefunden. Steht in keinem Polizeibericht, ist aber wahr. Ich habe es selbst auf Facebook gelesen. Viel Spaß dabei!
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Geschrieben von Hendrik Rupp
11. April 2012
Kann einen ein 100-Euro-Schein zum Verdächtigen machen? Wenn am gleichen Tag in der Tageszeitung eine Meldung über gefälschte Hunderter erscheint, dann schon. Beim Metzger nimmt die Verkäuferin den grünen Hunderter argwöhnisch entgegen, reibt die glatte Oberfläche zwischen den Fingern, hält das Papier prüfend gegen das Licht. Dann der Kennerblick: “Ein Wasserzeichen hat er ja, und ein Hologramm auch”, sagt sie zufrieden und steckt den Schein in die Kasse. Ich atme auf und nehme das Wechselgeld entgegen. ”Ist ja auch von der Bank, da kann er eigentlich nicht falsch sein”, sage ich unter dem Drang, mich unbedingt rechtfertigen zu müssen. Im Laden haben sich mittlerweile alle vom Fleischkäse und Rinderbraten abgewand und geben Tipps, ob und wie man einen falschen von einem echten Hunderter unterscheiden kann.
Am Dienstag frage ich bei der Polizei nach, ob übers Wochenende weitere gefläschte Geldscheine aufgetaucht sind. “Nein, keine neuen Hinweise.” Wie gut: dann war mein Hunderter ein echter – und ich kann weiterhin ohne schlechtes Gewissen bei der Metzgerei meines Vertrauens einkaufen gehen.
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Geschrieben von Karin Fuchs