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Wie alles begann...
Am 3. Januar 1849 erschien die erste Ausgabe unserer Heimatzeitung. Wer heute in Heidenheim die HZ in die Hand nimmt, greift damit nicht nur nach aktuellen Nachrichten, sondern hat eine 150-jährige wechselvolle Geschichte vor Augen. Der Weg bis in unsere Zeit war lang und beschwerlich. Das Schicksal vieler Menschen und Familien ist damit eng verknüpft. Nicht zuletzt wurde gerade in der jüngsten Vergangenheit mit einer technischen Revolution im Zeitungswesen eine neue Epoche eingeläutet, die nicht nur den Verlagen, sondern auch den Lesern neue Möglichkeiten gibt, das Medium Zeitung zu begreifen. Dass der Heidenheimer Zeitungsleser unserer Tage schnell und zuverlässig allmorgendlich mit seiner gewohnten Lektüre bedient wird, ist mit ein Verdienst der Gründergenerationen, die zu Beginn der Zeitungsgeschichte Leib und Leben für ihre Zeitung riskiert haben.
Weitsicht gehörte schon immer dazu, denn ohne die gesunde wirtschaftliche Grundlage des Verlages hat der beste Redakteur keine Chance, ein gutes Blatt zu machen. Die Zeiten, als der Herausgeber sein eigener Redakteur und Drucker war, sind längst vorüber. Heute kann ein Verlag nur dann existieren, wenn er sich dem technischen Wandel anpasst und seine wirtschaftlichen Möglichkeiten wahrnimmt. Trotzdem ist das Zeitungsmachen auch heute noch ein aufregendes Erlebnis, das persönlichen Einsatz erfordert. In dieser Hinsicht hat sich seit Generationen nicht viel geändert.
Am 13. Januar 1830 die erste Zeitung
Die erste Zeitung in Heidenheim erschien am 13. Januar 1830. Es war die Nummer 1 des allergnädigst genehmigten Stadt- und Amtsblattes für den Oberamtsbezirk Heidenheim. Damals war man der Erfindung Gutenbergs noch treu: Jeder Buchstabe wurde einzeln von Hand gesetzt. Die gesamte Auflage, meist nur wenige hundert Blätter, druckte der Herausgeber und Redakteur selbst auf einer Handpresse. Sehr viel später, nämlich im Jahr 1912, wurde beim Grenzboten in der Olgastraße - heute das Verlagsgebäude der Heidenheimer Zeitung - die erste Hochdruckrotationsmaschine in Betrieb genommen. Inzwischen stehen Bildschirme in den Redaktionsräumen, das elektronische Zeitalter der Zeitungsproduktion hat auch in Heidenheim begonnen. Das Landstädtchen Heidenheim zählte rund 3500 Einwohner, als im Jahr 1829 der aus Tübingen stammende Buchdrucker Gottlieb Friedrich Fack von der Kreisregierung in Ellwangen nach langem Kampf die Genehmigung erhielt, in Heidenheim eine Zeitung herauszugeben. Am 13. Januar 1830 erschien das erste Stadt- und Amtsblatt. Es wurde einmal in der Woche gedruckt und ausgeliefert. Doch die Leser, die dafür vier Gulden im Jahr bezahlen mussten, fanden in dem neuen Amtsblatt so gut wie keine lokalen Nachrichten. Buchdrucker Fack bediente sie mit unpolitischen Artikeln, die er zum größten Teil von anderen Publikationen abschrieb. Kein Wunder, dass das Interesse der Bevölkerung an diesem Blatt nicht sonderlich groß war. 1833 war Fack am Ende seiner finanziellen Kräfte. Die Zeitung ging ein, der Herausgeber verließ seinen Wirkungsort.
Einsatz für demokratische Idee
Doch die Heidenheimer Zeitungsgeschichte wurde konsequent fortgeschrieben. 1835 übernahm der Pfarrerssohn Christian Friedrich Krauß aus Breitenbach bei Calw, ein gelernter Schriftsetzer, die Druckerei. Der Verfechter demokratischer Ideen legte sich in seinem Blatt, das unter dem Titel "Der Bote vom Brenztal" dreimal wöchentlich erschien, immer wieder mit der Obrigkeit und der Kirche an. Vor der 48er-Revolution brachte dem mutigen Zeitungsmann sein offenes Wort mehrmals Gefängnis- und Geldstrafen ein. Während der Revolution kämpfte er nachdrücklich für "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit". In rund 400 Exemplaren wurde das kurze Aufblühen demokratischer Ideale nachhaltig gefeiert.
Doch mit der Rückkehr der Regierung an die Macht ging der Stern des "Boten vom Brenztal" unter. Krauß musste ins Gefängnis, seiner Zeitung wurde 1851 die Genehmigung als Amtsblatt entzogen. Die Nachfolge in dieser Eigenschaft hatte bereits im Jahr 1849 der in Giengen gegründete Grenzbote angetreten.
W. F. Hehl und Christian Meebold kauften für 600 Gulden in Stuttgart eine Druckereieinrichtung und stillten ab dem 3. Januar 1849 das Bedürfnis der Giengener Bevölkerung nach einem eigenen Amtsblatt, mit dem Untertitel "ein Volksblatt von der Württembergisch-Bayerischen Grenze".
Der Grenzbote setzt sich durch
Gut zwei Jahre lang bekriegten sich die Zeitungsmacher in Heidenheim und Giengen. Hehl und Meebold, monarchistisch gesinnt, bleiben schließlich Sieger und erhalten die ministerielle Genehmigung, ihre Redaktion von Giengen nach Heidenheim zu verlegen.
W. F. Hehl gelang das Kunststück, nicht nur seine Leser zu behalten, sondern nach und nach auch die Abonnenten des Boten vom Brenztal für sich zu gewinnen. Am 15. Mai 1857 starb er überraschend an einer Lungenentzündung. Seine Witwe holte am 22. Juni einen Bekannten ihres Mannes, den 1818 in Ludwigsburg geborenen Carl Friedrich Rees, als Geschäftsführer nach Heidenheim. Im November heiratete Rees die Witwe und übernahm am 24. November 1857 das Geschäft. Die in der Druckerei des Grenzboten gefertigte Auflage betrug damals 400 Exemplare und erschien zweimal wöchentlich. Technische Neuerungen erlaubten die Auflagensteigerung. 1864 baute Rees in der Olgastraße 17 ein neues Geschäftshaus, das 1866 seiner Bestimmung übergeben werden konnte. In diesem Gebäude befinden sich heute die Verlage der Heidenheimer Zeitung (HZ), der Heidenheimer Neuen Presse (HNP) und des Brenztal-Boten (BB).
40 Jahre lang, von 1854 bis 1894, war der Grenzbote die einzige Zeitung in der Oberamtsstadt Heidenheim. Mehrere „Angriffe“ von Konkurrenzblättern konnte der Grenzbote mit Erfolg abwehren.
Erst als am 4. Juli 1894 die erste Ausgabe des „Heidenheimer Tagblatt“ erschien, war dem „Grenzboten“ eine ernsthafte Konkurrenz erwachsen. Herausgeber Adolf Härlen hatte bei Rees das Buchdruckerhandwerk gelernt und stellte um das Jahr 1910 die erste Setzmaschine in Heidenheim auf. Härlen nutzte diesen wirtschaftlichen und technischen Vorteil aus. Der Abonnementspreis für seine Zeitung lag mit 1,10 Mark um 15 Pfennig unter dem des Grenzboten, der noch in alter Tradition von Hand gesetzt wurde.
Auch in der äußeren Form und im Inhalt unterschieden sich die beiden Zeitungen. Während der Grenzbote eine konservative Richtung vertrat, sprach das Tagblatt die inzwischen in Heidenheim zahlenmäßig gewachsene Arbeiterschaft mit volksparteilichen Ideen an.
Doch den technischen Vorteil machte der Grenzbote schnell wett. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg stand der Zeitung eine achtseitige Hochdruckrotationsmaschine zur Verfügung. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges druckten sowohl der Grenzbote als auch das Heidenheimer Tagblatt eine Auflage von 5000 Stück.
In der unruhigen Zeit der Weimarer Republik wurde dem konservativen Grenzboten schwer zugesetzt, vor allem von der Konkurrenzzeitung Tagblatt, das dem Grenzboten das Recht absprach, als Amtsblatt zu firmieren.
Reiche Zeitungslandschaft bis 1933
In Giengen und Gerstetten waren inzwischen mit dem Brenztal-Boten und der Gerstetter Albzeitung weitere Blätter erschienen. Die Giengener Zeitung war im Jahr 1867 gegründet worden, die Gerstetter hatten von 1878 an ihr eigenes Blatt, das dann allerdings 1929 an den Verlag des Grenzboten verkauft wurde. Das ließ die Gerstetter jedoch nicht ruhen, sie wollten wieder eine eigene Zeitung. Deshalb wurde 1930 eine Buchdruckereigenossenschaft gegründet, an der sich 80 Bürger mit je 50 Mark beteiligten. Sie druckte die neue Gerstetter Zeitung.
Die Nationalsozialisten fanden 1933 im Kreis eine reiche Zeitungslandschaft vor, die es für sie „gleichzuschalten“ galt: der Grenzbote (7600 Auflage), das Heidenheimer Tageblatt (5000), die sozialdemokratische Volkswacht (3400), der Brenztal-Bote (2000) und die Gerstetter Albzeitung (600). Daneben existierte noch die KPD-Wochenzeitung Roter Scheinwerfer, die als erste von den Nazis ausgeschaltet wurde; innerhalb kurzer Zeit war die „Linkspresse“ verschwunden.
Auch dem Heidenheimer Tagblatt ging es an den Kragen. Verleger Härlen wehrte sich jedoch zunächst erfolgreich. Seine Zeitung erschien noch bis 1935. Die Gerstetter Albzeitung wurde geschlossen. Dafür kam dann bis 1940 der Gerstetter Kurier heraus, dessen Erscheinen Franz Smerdka gegen den Willen der örtlichen NS-Größen durchsetzen konnte. Auch in Giengen blieb der Brenztal-Bote trotz des Verbots dank des mutigen Einsatzes von Verleger Michael Bollinger erhalten.
Der Grenzbote musste am 1. Juli 1933 seinen Verlag in die NS-Presse Württemberg einbringen. Kurt Rees, der nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1926 den Verlag übernommen hatte, blieb zwar Hauptschriftleiter, aber nur auf dem Papier, denn der Geschäftsführer der NS-Presse in Stuttgart bestimmte, was zu geschehen hatte.
1939 wurde Kurt Rees zur Wehrmacht eingezogen und kehrte erst 1950 aus der Gefangenschaft zurück. 1943 entzog man ihm den Druckauftrag. Der Grenzbote wurde als Heidenheimer Kreiszeitung in Aalen gedruckt und schließlich 1945 von den Amerikanern verboten.
Nach dem Krieg redigierte Franz Smerdka das Heidenheimer Amtsblatt für den Landkreis und die Stadt Heidenheim. Es war von der amerikanischen Militärregierung genehmigt worden und erschien bis 1950.
Die Schwabische Donauzeitung in Ulm erhielt 1945 die Lizenz von der Besatzungsmacht. Am 10. November erschien eine Kreisausgabe für Heidenheim, allerdings nur mit spärlichen lokalen Nachrichten. Anfang 1948 drängte die Schwäbische Post mit einer Heidenheimer Ausgabe von Aalen aus auf den Heidenheimer Zeitungsmarkt.
Erst ab 1948 wieder eine echte Heidenheimer Zeitung
Erst am 1. Dezember 1948 gab es wieder eine echte „Heidenheimer Zeitung“. Sie wurde von Professor Dr. Kliefoth und C. E. Conrads herausgegeben, die von den Amerikanern die Lizenz erhalten hatten. Damals gab es auch noch die Lokalausgabe der Schwäbischen Donauzeitung, die unter dem Titel Heidenheimer Volksblatt erschien.
1951 gelang Diplom-Kaufmann Karl-Heinz Wilhelm, nach schwierigen Verhandlungen die Zusammenlegung des alteingesessenen Grenzboten mit der Heidenheimer Zeitung.
Das neue Blatt hatte eine Auflage von 13 500 Exemplaren. Die Schwäbische Post gab den Heidenheimer Markt auf, doch 1953 riefen Helmut Braun und Edgar Grueber die Heidenheimer Neuesten Nachrichten (HNN), die in Göppingen gedruckt wurden, ins Leben. Den überregionalen Teil lieferte die Neue Württembergische Zeitung.
Pressevielfalt bleibt erhalten
Die Heidenheimer Zeitung verfügte damals noch über eine Vollredaktion und druckte im eigenen Haus. 1961 folgte die Fusion von HNN und HZ, 1962 der Vertrag mit der damaligen Schwäbischen Donauzeitung (heute Südwest-Presse) , die seit dieser Zeit die Mantelseiten liefert und die HZ auch druckt. Am 1. Oktober 1962 brachte die Göppinger NWZ mit der Heidenheimer Neuen Presse eine Konkurrenz zur HZ heraus. Die HNP konnte ihre Auflage auf 8000 steigern.
Steigende Kosten bei der Zeitungsherstellung führten schließlich zu weiteren Überlegungen im Sinne einer Kooperation. Für drei konkurrierende Zeitungen (Brenztal-Bote, HNP und HZ) gab es im Kreis Heidenheim keine wirtschaftliche Grundlage mehr, deshalb wurden 1969 (Brenztal-Bote und HZ) und 1975 (HNP und HZ) Verlagsgemeinschaften gebildet. Es entstand der „Anzeigenverbund Heidenheimer Zeitung“ mit einer Auflage von 34 000 Exemplaren. Die selbständigen Redaktionen von HZ und HNP wurden im Interesse der Pressevielfalt erhalten.
Ebenfalls einem Trend folgend, gründete die HZ im Jahr 1972 ein Anzeigenblatt, das als Heidenheimer Wochenblatt (heute Neue Woche) mit einer Auflage von 68 000 Exemplaren kostenlos auch in den Randgebieten der Nachbarkreise Göppingen, Aalen und Dillingen erscheint.
Am Ende einer zeitweise turbulenten 150-jährigen Verlagsgeschichte verfügt die Bevölkerung von Stadt und Kreis Heidenheim über Informationsmöglichkeiten aus drei Lokalzeitungen (Heidenheimer Zeitung, Heidenheimer Neue Presse, Brenztal-Bote) eine positiv zu wertende Pressevielfalt, wie sie in vergleichbaren Kreisen selten anzutreffen ist. Mit der Heidenheimer Sonntagszeitung und der Beilage Sonntag aktuell wurde seit Oktober letzten Jahres der Service für die Leser erweitert, so dass auch am siebten Tag der Woche eine aktuelle Zeitung erscheint
Seit dem 29. Oktober 1996, dem 80. Geburtstag von Dipl.-Kfm. Karl-Heinz Wilhelm, führt dessen Sohn, Dipl.-Kfm. Hans-Jörg Wilhelm, den Verlag.
Etwa 120 Beschäftigte und 300 Austrägern im Verlagsverbund sorgen dafür, dass die Leser gut informiert werden und ihre Zeitung jeden Morgen rechtzeitig erhalten.
(Nach einer Dokumentation von Albrecht Koberstädt)
Norbert Pfisterer